1. München Staatsforstverwaltung: Am Mittwoch den 19.11.2003 war J. Krohn zu Besuch in der Staatsforstverwaltung in München. Gesprächspartner war der Waldbaureferent Herr Brosinger.

Im Allgemeinen herrscht zur Zeit eine totale Verunsicherung bei der Staatsforstverwaltung und den Forstdirektionen bezüglich der Zukunft. Im Rahmen der angekündigten Umstrukturierung ist mit einem Zusammenlegen von Forstämtern zu rechnen. Alle Leistungen und Ausgaben werden auf den Prüfstand gestellt. Der Regierungschef Edmund Stoiber will den Bayerischen Haushalt in kürzester Zeit sanieren. Die entsprechenden Verhandlungen laufen zur Zeit auf Hochtouren. Ziel ist es, in 2004 flächendeckende Einsparungen von bis zu 10 % durchzuführen. 
Am kommenden Freitag, den 12.12.2003 findet hierzu auch eine Anhörung der Verbände in München statt. J. Krohn wird für den VDF e.V. vor Ort sein. Kurz vor Weihnachten werden dann definitivere Informationen zu den geplanten Haushaltsänderungen veröffentlicht.
Gleichzeitig ist es aber ein politisch erklärtes Ziel der Bayerischen Regierung, den Laubwaldanteil im Land drastisch zu erhöhen, um nicht zuletzt auch dem Borkenkäfer Einhalt zu gebieten. Insbesondere soll die Buche verstärkt angepflanzt werden. Aber auch die Douglasie wird in der Zukunft im bayerischen eine steigende Bedeutung erhalten. 
Der Pflanzenbedarf ist also auf jeden Fall groß – allein es fehlt das Geld. Im Vorjahr wurden in ganz Bayern auf ca. 1500 ha ca. 7.000.000 Pflanzen in den Staatswald gebracht. Diese Zahl beinhaltet die Wildlinge und die Pflanzen aus den Landesbaumschulen.
Durch den trockenen Sommer sind über ganz Bayern ca. 50 % der Neuaufforstungen vom Frühjahr 2003 ausgefallen. Hier war der Norden Bayerns stärker betroffen. Es gab in 2003 im Land 625 ha Erstaufforstungsfläche. Die Tendenz ist hier fallend.
Herr Brosinger weist darauf hin, das die Gebührenordnung der Verwaltungen novelliert wird. Es ist mit steigenden Kosten gerechnet. Dies betrifft die Baumschulen auch im Bezug auf das neue FoVG.
Durch das angefallene Käferholz gibt es zur Zeit einen miserablen Holzpreis. Dadurch rechnet die Staatsforstverwaltung mit ca. 14 Mio. € weniger Einnahmen in 2003.
Die Landesbaumschulen stehen laut Herrn Brosinger im Rahmen der Sparmassnahmen nicht zur Debatte. Auch weist er darauf hin, dass die Betriebe sich unternehmerisch verhalten müssen. Eine interne Verrechnung gibt es lt. dem Waldbaureferenten nicht. Hier hat J. Krohn interveniert und darauf hingewiesen, dass die Landesbaumschulen nach Aussagen von Mitgliedsbetrieben des VDF im Herbst einen guten bis sehr guten Absatz von Forstpflanzen an den Staatswald gehabt haben sollen, während die privaten Baumschulen fast keine Ware verkaufen konnten. Im Rahmen der Verbandsanhörung am 12.12.2003 wird dieses Thema sicher noch detaillierter diskutiert.
Herr Brosinger gab weiterhin an, dass genetisch überprüfbare Pflanzen auch in der Zukunft in Bayern bevorzugt behandelt werden sollen. Dies beinhaltet aber auch genetisch überprüfbare Ware, die nicht aus dem ZÜF Material entstammt!
Zum Ende des Gesprächs stellte Herr Brosinger klar, dass er das gute Vertrauensverhältnis mit den Baumschulen, welches in den letzten 15 Jahren gewachsen ist, in jedem Fall aufrecht erhalten möchte. Er versicherte dem Vorstandssprecher des VDF’s, dass er alles in seiner Macht stehende tun wird, um den Baumschulen aus der zur Zeit bestehenden Misere zu helfen.



2. Würzburg: Am Dienstag den 18.11.2003 war J. Krohn in Begleitung vom Vorstandsmitglied Herrn Althaus zu Besuch in der Forstdirektion Unterfranken in Würzburg. Die Forstdirektion vertritt 24 Forstämter. Gesprächspartner war Herr Aichmüller.

Allg. Lage im Forstbereich: Es gab in 2003 eine durchschnittliche Menge an Käferholz im Bereich Unterfranken. Erste Schätzungen belaufen sich auf ca. 50.000 Festmeter im Staatswald. Das entspricht ca. 150 Hektaren. Im Privatwald liegt diese Summe wohl deutlich höher.
Durch den schon sehr hohen Waldanteil von 41 % in Unterfranken gibt es hier praktisch keine Erstaufforstungsflächen. Es sind pro Jahr nur eine 100 m² die neu angelegt werden.
Die Umsetzung des neuen FoVG gestaltet sich in Unterfranken noch schwierig. Die Revierleiter haben Mühe, den gesetzlichen Anforderungen bei der Saatguternte nachzukommen. Nach Ansicht von Herrn Aichmüller klaffen hier Theorie und Praxis auseinander. 
Im Frühjahr sah es nach einer guten Saatguternte aus. Doch durch den trocknen Sommer ist diese dann fast vollständig ausgefallen. Es wurde im Bereich Unterfranken praktisch kaum etwas geerntet.
Auf die Frage nach der Verwendung von ZÜF Material gab sich Herr Aichmüller bedeckt. Er konnte keine konkreten Zahlen nennen, wie hoch der Anteil an ZÜF Material im Bereich Unterfranken war. Die Revierleiter sind allerdings nach seiner Meinung momentan nicht gewillt mehr Geld für ZÜF auszugeben.
Der Holzpreis ist aufgrund des starken Käferholzeinfalls um 10 bis 20 € pro Festmeter eingebrochen. Bei gesundem Holz ist der Holzverbrauch aber nach wie vor steigend.


3. Bayreuth: Ebenfalls am Dienstag den 18.11.2003 war J. Krohn in Begleitung vom Vorstandsmitglied Herrn Geiger zu Besuch in der Forstdirektion Oberfranken-Mittelfranken in Bayreuth. Die Forstdirektion vertritt 30 Forstämter. Gesprächspartner waren Herr Kratzert sowie Herr Busler.

Allg. Lage im Forstbereich: Es gab in 2003 eine hohe Menge an Käferholz im Bereich Oberfranken-Mittelfranken. Erste Schätzungen belaufen sich auf ca. 300.000 Festmeter im Staatswald. Das entspricht ca. 860 Hektaren. Im Privatwald liegt diese Summe wohl noch höher. Für das nächste Jahr rechnen die Verantwortlichen im schlimmsten Fall damit, dass sich diese Menge verzehnfachen wird!
Die Tendenz zur Erstaufforstung geht auch hier weiter zurück. Es sind in 2003 ca. 60 ha Wald im Gebiet der Forstdirektion Bayreuth neu angelegt worden.
Die Umsetzung des neuen FoVG gestaltet sich hier vor Ort bisher unkompliziert. 
Bei der Buche und bei der Eiche gab es in Oberfranken-Mittelfranken eine relativ gute Ernte. Für die Buche 81012 wurde 20 ha Mutterquartiere neu zugelassen. Die Zulassung von Erntequartieren für die neuen dem Gesetz unterliegenden Pflanzensorten soll bis zum Ende 2003 abgeschlossen sein. Es wurden in erster Linie die DKV Herkünfte übernommen.
Züf Material war im ersten offiziellen Handelsjahr in dieser Region mit ca. 3 bis 5 % am gesamt Volumen beteiligt. Die Tendenz wird hier weiter steigend sein.


4. Regensburg: Am Mittwoch den 19.11.2003 war J. Krohn in Begleitung vom Vorstandsmitglied Herrn Geiger zu Besuch in der Forstdirektion Niederbayern-Oberpfalz in Regensburg. Die Forstdirektion vertritt 31 Forstämter. Gesprächspartner war Herr Waldherr und Herr Salder.

Allg. Lage im Forstbereich: Es gab in 2003 eine hohe Menge an Käferholz im Bereich Niederbayern-Oberpfalz. Die Schätzungen belaufen sich auf ca. 200.000 Festmeter im Staatswald. Das entspricht ca. 580 Hektaren. Im Privatwald liegt diese Summe höher.
Durch den trockenen Sommer sind in Niederbayern-Oberpfalz die Frühjahrspflanzungen um bis zu 80 % ausgefallen und müssen ersetzt werden.
Die Tendenz zur Erstaufforstung geht auch hier weiter zurück. Es sind in 2003 ca. 70 ha Wald im Gebiet der Forstdirektion Regensburg neu angelegt worden.
Die Umsetzung des neuen FoVG gestaltet sich hier vor Ort bisher unkompliziert. Allerdings sind die Revierleiter nur für Stichproben bei der Ernte anwesend.
Die Saatguternte in dieser Region war eher Mager. Bei der Stieleiche wurde eine geringe Menge 08 geerntet (bei der 09 noch weniger). Die Traubeneiche (Herkunft 013) wurde ebenfalls minimal geerntet. Bei der Rotbuche wurde das erste Mal seit Jahren wieder die Herkunft 019 beerntet. Insgesamt aber weniger als 1000 kg. Diese sind komplett in den Handel geflossen. Andere Herkünfte sind hier ausgefallen. In der Zukunft werden folgende Baumarten eine übergeordnete Rolle im Bereich der Forstdirektion Regensburg spielen: Buche, Kirsche und Douglasie.
ZÜF Material wird bevorzugt behandelt. Der Anteil lag in 2003 bei ca. 8 %. Dies liegt aber auch noch an der Tatsache, dass nicht alle Herkünfte in ZÜF zu bekommen sind. 


5. Augsburg: Am Donnerstag den 20.11.2003 war J. Krohn in Begleitung vom Herrn Waldeis (Fa. Haage) zu Besuch in der Forstdirektion Oberbayern-Schwaben in Augsburg. Die Forstdirektion vertritt 43 Forstämter. Gesprächspartner war Frau Gmelin-Bösselmann.

Allg. Lage im Forstbereich: Es gab in 2003 eine geringe Menge an Käferholz im Bereich Oberbayern-Schwaben. Schätzungen liegen leider noch nicht vor.
Der Pflanzen bedarf ist in dieser Region allerdings deutlich höher als in den Vorjahren. Frau Gmelin-Bösselmann sprach von 500 ha Ausbesserungsfläche und 1000 ha Aufforstungsfläche. 
Durch den trockenen Sommer sind in Oberbayern-Schwaben die Frühjahrspflanzungen kaum beeinträchtigt worden. Der Grundwasserspiegel lag relativ hoch, so dass die Pflanzen genug Wasser ziehen konnten.
Erstaufforstungsflächen sind praktisch nicht vorhanden. Interessant ist ein Beispiel der Gemeinde Kaufering. Hier ist die Förderung für Waldneubildung verdreifacht worden, mit dem Resultat, das überproportional viel Wald neu gebildet wird. Allerdings ist dies auch eine sehr reiche Gemeinde!
Die Umsetzung des neuen FoVG gestaltet sich hier vor Ort bisher unkompliziert. Die Zulassung von Erntebeständen für die neuen dem Gesetz unterliegenden Pflanzensorten ist abgeschlossen. Nach Meinung der Forstdirektorin ist eine ausreichende Versorgung gewährleistet.
Die Saatguternte verlief relativ gut. Es wurden im einzelnen folgende Mengen geerntet: Quercus robur 09’er = 19.000 kg, Fagus sylvatica 24’er = 20.000 kg, Fagus sylvatica 25’er und 18’er = minimal, Quercus petrea = minimal. Von der Moorbirke, Spitzahorn und Esche wurden insgesamt ca. 470 kg – von Winterlinde, Bergahorn ca. 1000 kg geerntet. Die Douglasie wurde gut beerntet, es fehlt hier an Kunden für die Saatgutabgabe.
ZÜF Material wird bevorzugt behandelt. Der Anteil lag in 2003 allerdings nur bei minimalen Mengen. 


Fazit: Die Vertreter des VDF e.V. haben vor Ort in jeder Forstdirektion und in der Staatsforstverwaltung vehement auf die angespannte Lage der Forstbaumschulen in Bayern und in ganz Deutschland hingewiesen. Auch wurde das Problem der Landesbaumschulen überall zur Sprache gebracht. Das größter zur Zeit bestehende Problem ist natürlich die Finanznot der Bayerischen Staatsforstverwaltung. Fakt ist, dass der Pflanzenbedarf deutlich ansteigt!

 

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