Die Wald- und Holzwirtschaft ist in einem Dilemma. Kein Wirtschaftszweig sonst könnte so hervorragend deutlich machen, was es konkret heißt, mit Ressourcen nachhaltig umzugehen und den Bedürfnissen zu-künftiger Generationen gerecht zu werden. Aber es gelingt nicht. Vielmehr steht die nationale Wald- und Holzwirtschaft vor nicht gelösten Zielkonflikten: Zum einen soll sie dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern, andererseits will sie wirtschaftlich wettbewerbsfähig sein. „Wald- und Holzwirtschaft sieht sich mehr denn je im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch, soviel Natur wie möglich zu belassen und dem Gebot wirtschaftlich zu agieren“, sagt Ratsmitglied Hubert Weinzierl. Derzeit sei die Holzwirtschaft
international zu wenig wettbewerbsfähig. Ökologie- und Sozialverträglichkeit stellten zukünftig noch größere
Herausforderungen an die Forstpolitik. Schutz- und Erholungsfunktionen der Wälder sind gefährdet. Die Potenziale von Holz zur Senkung von klimaschädlichem CO2 werden bislang nicht genügend genutzt. Zudem stehen die staatlichen Forstverwaltungen vor großen Umstrukturierungen. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung empfiehlt daher der Bundesregierung, die Wald- und die Holzwirtschaft zu einem Schwerpunkt ihrer
Nachhaltigkeitsstrategie zu machen.
Der Rat setzt sich für die verstärkte Verwendung von heimischem Holz aus zertifizierter naturnaher
Bewirtschaftung ein. Die Bundesregierung solle die Massivholzbauweise in allen Bereichen des privaten,
gewerblichen und öffentlichen Bauens voranbringen. Relevante Rechtsvorschriften sollten entsprechend angepasst und die unsinnige Subventionierung von konkurrierenden Materialen abgebaut werden. Als mögliche
Pilotprojekte sieht der Rat eine so genannte „Innovationsinitiative Holz“ vor, in der neue
Holzverarbeitungsmethoden weiterentwickelt und erprobt werden. Innovative Holzbaumethoden mit der Erarbeitung und dem
Betrieb von Musterhäusern und deren Nutzung für Ausbildungs- und Lehrzwecke wären denkbar. Der Rat schlägt zudem ein Modellprojekt für die Bildungspolitik in einer Waldlandschaft im Rahmen der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ von 2005-2014 vor.