Kyrill in NRW, Gespräch des VDF mit dem MUNLV
Bewältigung der Sturmschäden erfordert Dialog, Planung und präventiven Waldbau!
 

 

NRW nach Kyrill: Die Sturmschäden sind größer als erwartet. Per Mitte März 2007 geht man von 16 Mio. Fm. Sturmholz aus. Das ist ca. die Menge der damaliger ersten Prognose für Gesamtdeutschland.
Der VDF hat deshalb schon früh entschieden die nächste Vorstandssitzung und VDF Klausur nach NRW ins Sauerland zu verlegen.
Eine Nachhaltigkeitsdiskussion ohne forstliches Saatgut und deren Produzenten / Lieferanten ins Boot zu holen wäre keine gesamtheitliche Betrachtung.

Alain PAUL
Bundesgeschäftsführer VDF e.V.
www.vdfonline.de

Kyrill sorgt für Probleme auch bei der waldbaulichen Wiederherstellung

Die Wiederbewaldung der Sturmflächen in NRW war das Thema eines Gedankenaustausches zum Thema Sturmschäden und Maßnahmen zwischen dem Landesbetrieb Wald und Holz (NRW, MUNLV) und dem VDF ( Verband Deutscher Forstbaumschulen ) Gruppe West in der Forstgenbank (Arnsberg) am 20.02.2007.

Beide Gesprächspartner, beeindruckt und erschüttert durch Ausmaße und Härte der Sturmfolgen haben die Minimierung der Schäden und raschen Wiederaufbau im Sinn.

Im Land NRW liegen ca. 14 Mill. - Festmeter Holz auf einer Fläche von 50.000 ha., der Privatwald ist ganz besonders betroffen. Solch eine Schadfläche stellt große Anforderungen an den Waldbesitz und auch die Baumschulen legen im Dialog mit den behördlichen Planern großen wert auf frühe transparente Planungen. Die Dimension der Windschäden hat zur Folge, das die Forstpflanzen die nötig sein werden, nicht ad hoc vorhanden sein können. Besonders herausstellen mochte der Landesbetrieb Wald und Holz dabei, dass eine noch bessere Anpassung der Standorte katalogisiert wird: sprich, man besonders Standortgerecht wieder zu bewalden will. Ziel: Jeder Waldbesitzer soll in Zukunft auf einen Katasterplan einsehen können, welche Baumart für seine Fläche in Frage kommt. Wobei mehrere Vorschläge unterbreitet werden. Dieser Plan wird im Laufe des Jahres bei den Forstämtern einzusehen sein.

Finanzen: Förderungen der Sturmschäden von Land - Bund - EU stehen nur im normalen Rahmen zur Verfügung. Über Sonderzuwendungen steht noch nichts fest, es ist aber auch keine Zusage zu erwarten. Die normalen Förderrichtlinien wurden leicht verändert, und für 7 Jahre erstmals festgeschrieben. Über Sonderkredite, auf die Waldbauernfamilien wenig setzen wollen, berichtete die Presse.

Was steht den derzeit im Baumschulbeet? Die Versorgungslage der Forstpflanzen im Beet, insbesondere der besonders gewünschten benötigten Sortimente, sieht sehr desolat aus.

Die Aussaat im Bereich Douglasie und Fichte ist aufgrund des trockenen Sommers 2006 bescheiden, und die erhofften Stückzahlen sind noch nicht um die Hälfte erreicht. Folgerichtig hofft man auf die Aussaat 2007, und deren gutes Gelingen.

Nach Angabe der Forstgenbank dürfte Fichtensaat genug vorhanden sein und Douglassaat zu wenig. Zusätzliche Importe aus der USA sollen noch nicht getätigt werden. Man spricht davon, das es in Frankreich gute Erntebestände gibt, auch aus Plantagen die man zulassen wird. Damit ist deutlich gemacht worden, das man schon flexibel im Bereich Herkunft sein soll. Doch wird man sehr genau hinschauen was noch Verwendung finden soll, und nicht das einfach pflanzen, was am Markt vorhanden ist. Der Waldbauer wird wohl die Fichten wieder pflanzen, als Brotbaum. Man schätzt, das etwa 1/3 der Fläche Naturverjüngung wird. Viele Flächen werden erst nach 2 - 3 - 4 Jahren bepflanzt werden können, da die Jungpflanzen knapp sind. Aus der Beobachtung der Stürme Lothar und Wibke, im Süden Deutschlands, wurde auch eine starke Naturverjüngung beobachtet. Wo immer sie nicht in Menge, Mischung, Qualität und Dichte genügt muß gepflanzt werden. Dabei gibt es durchaus Aussagen, wie: " Wir haben damals viel zu früh gepflanzt".

Viele Flächen, so schätzt der Landesbetrieb, werden im Laufe des Sommers aufgearbeitet sein, zumal 500 Harvestergespanne in NRW im Einsatz sind.

Der Landesbetrieb hofft den Erlös aus dem Holzverkauf nicht an die Landeskasse abzuführen, sondern für waldbauliche Maßnahmen in den nächsten Jahren verwenden zu können. Weiter wurde besprochen, das viele Waldbesitzer die Gelegenheit nutzen und Schadholz zu Energieholz zu nutzen (Der Winter geht zu Ende und Umsätze werden später erfolgen), allerdings nur dort wo dies möglich ist. Des Weiteren ist eine Flächennutzung auch mit Weihnachtsbäumen (Abies Nordmanniana) möglich, um rasch wenigstens gewisse Erlöse zu haben.

Vereinbart wird ein direkte Draht zur beständigen Kommunikation zwischen Wald und Baumschule, denn die Betroffenheit und der unruhige Markt nach dem Sturm ist auch den familiären Baumschulbetrieben alles andere als eine Hilfe. So war es eine harmonische Veranstaltung im kleinen Kreis.

Die Vertreter der Forstbaumschulen waren: Fa. Hanses-Koering, Balzer, Jungermann und Selders. Sie sprachen sich abschließend für eine Umstellung der Betriebe aus, sich auf den Wunsch NRWs einzustellen und mehr Nadelgehölze (Douglasie - Fichten - Grandis ) produzieren, aber auf gleicher Fläche.

Bleibt nur zu hoffen, dass Klimawandel und Standortsveränderung diese Wunschliste auch akzeptieren.

Der VDF bedankte sich beim Landesbetrieb Wald und Holz für die Information und hofft auf eine weitere gute Zusammenarbeit durch Informationsaustausch und rechtzeitige Bekanntgabe der waldbaulichen Ziele.

SELDERS/APAUL 2007-02-22